Ressourcen nutzen, Natur schützen!

Aktionsbündnis für einen sinnvollen ÖPNV im Südwesten Berlins und Brandenburg.

Was würde ein Wiederaufbau der Stammbahn bedeuten. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:


Welche Züge würden auf der Stammbahn fahren?

Grundsätzlich lässt sich zwischen einer Nutzung als S-Bahn oder als Regional- und Fernbahntrasse unterscheiden. Die Deutsche Bahn AG hat mehrfach deutlich gemacht, dass Sie letzteres befürwortet, u.a. weil die Stammbahn zur Entlastung der Stadtbahn (IC, ICE) dienen soll.

Rechtlich muss eine Bahntrasse grundsätzlich für alle Verkehre freigegeben sein. Eine Beschränkung nur auf den Regionalverkehr ist nicht zulässig. Auch Güterverkehr ist folglich nicht auszuschließen, denn 2016 wurde der "Berliner Innenring" explizit für den Güterverkehr wiederbelebt. Zwischen Stammbahn und Berliner Innenring besteht am S-Schönberg eine direkte Verbindung.

Antwort: Im Falle eines Wiederaufbaus ist auch Fern- und Güterverkehr auf der Stammbahntrasse zu erwarten.


Löst die Stammbahn die Verkehrsprobleme der Region?

Oft wird die Stammbahn als Lösung für den Raum Teltow-Kleinamchnow-Stahnsdorf ("TKS") ins Feld geführt. Dies ist jedoch falsch, da die Stammbahn schon aufgrund ihres Verlaufs für die Region nur eine untergeordnete Rolle spielen kann:

  • Sie streift Kleinmachnow nur am nördlichsten Rand.

  • Aus Stahnsdorf sind es rund fünf Kilometer zu einem möglichen Stammbahn-Halt.

  • Alle Teltower sind bereits heute schneller an einem Bahnhof (S25), als an der möglichen Stammbahn.

Des weiteren sind die immer wieder propagierten zwei Haltepunkte bei Kleinmachnow (Düppel und Europarc Dreilinden) sehr unwahrscheinlich. Sowohl Kosten als auch Betriebskonzepte sprechen dagegen.

Schlussendlich zeigen Verkehsanalysen, dass viele Menschen aus der Region nicht zwingend in die Innenstadt, sondern ins südwestliche Berlin pendeln. Eine Stammbahn würde ihnen mit ihren wenigen Haltepunkten nicht helfen.

Antwort: Pendler*innen aus der Region "TKS" würden von einer Stammbahn kaum profitieren.

 

Was bedeutet die Stammbahn für Stadtbild und Lebensqualität?

Der Neuaufbau der Stammbahn würde Kleinmachnow und den Berliner Südwesten massiv verändern. Beispiele hierfür sind:

  • Entlang der gesamten Trasse würden Oberleitungsmasten sowie Schallschutzmauern in einer Höhe von fünf bis sechs Metern errichtet.

  • Vielerorts müsste die Trasse verbreitert werden. Mehrere Brücken und zum Teil Gebäude müssten dafür abgerissen und neu gebaut werden.

  • Zur Einfädelung in den Nord-Süd-Tunnel müssten große Flächen des Parks am Gleisdreieck (Schöneberger Wiese) bebaut werden.

  • Zwischen Zehlendorf und Griebnitzsee müssten über 40 Fußballfelder Mischwald, sowie Zahlreiche Kleingärten weichen. Auch das Landschaftschutzgebiet Parforceheide wäre betroffen.

Antwort: Ein Wiederaufbau der Stammbahn hätte weitreichende Folgen für die städtebauliche Qualität von Kleinmachnow und Berlin. Es entstündige ein Bauerwerk, was mit der Dresdner Bahn in Lichtenrade vergleichbar wäre.  

 

Brauchen wir die Stammbahn für die Verbindung Berlin-Potsdam?

Der Verkehr zwischen Berlin und Potsdam nimmt zu und braucht eine Verbesserung des ÖPNV. Die Stammbahn ist dabei jedoch nur eine unter vielen Möglichkeiten. So wurde von den Ländern bereits eine Verdichtung des RE1 auf drei Züge die Stunde beschlossen.

Untersuchungen der Arbeitsgruppe Umlandverkehre von Bundnis '90 die Grünen zeigte zudem, dass auch eine Verdichtung auf vier Züge pro Stunde möglich wären. Auf diese Weise könnten die Kapazitäten gegenüber heute verdoppelt werden. Leider scheitert die zeitnahe Umsetzung dessen aktuell an fehlenden Zügen.

Ein weiterer Zentraler Aspekt für den Verkehr zwischen Berlin und Potsdam ist die noch immer in Teilen eingleisige S-Bahn Verbindung. Aus diesem Grund ist die Taktung auf dem Abschnitt auf 10 Minuten beschränkt. Die S1 muss folglich in Wannsee enden anstatt nach Potsdam durchzufahren. Auch hier ist der Ausbau bereits beschlossene Sache. Nach seiner Umsetzung wird ein einen Fünfminutentakt zwischen Berlin und Potsdam möglich und die S-Bahn eine attraktive Alternative zum Regionalverkehr - insbesondere für diejenigen, welche nicht unmittelbar zu einem der wenigen Regionalbahnhöfe müssen.

Und nicht zuletzt bietet sich mit der Wannseebahn eine kurzfristig, kostengünstig und naturschonend umsetzbare Alternative zur Stammbahn.


Antwort: Die Schienenverbindungen zwischen Berlin und Potsdam können auch ohne das Großprojekt Stammbahn verbessert werden.